Um die Energieeffizienz eines Gebäudes zu beurteilen, ist die Luftdichtheit der Gebäudehülle ein entscheidender Faktor. In der Bauphysik wird hierfür oft die Luftwechselrate n50 erklärt, da sie als Standardmaß für ungewollte Lüftungsverluste dient. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem technischen Begriff und warum ist er für Bauherren und Sanierer so wichtig?
Was ist die Luftwechselrate n50?
Der n50-Wert ist eine Kennzahl, die angibt, wie oft das gesamte Luftvolumen eines Gebäudes bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal pro Stunde ausgetauscht wird. Diese Druckdifferenz simuliert eine Windlast auf das Gebäude (etwa Windstärke 4-5).
Wenn die Luftwechselrate n50 erklärt wird, muss man die Einheit verstehen: Sie wird in $1/h$ (pro Stunde) angegeben. Ein Wert von $1,0, h^{-1}$ bedeutet beispielsweise, dass bei dem Prüfdruck von 50 Pascal das gesamte Innenraumvolumen einmal pro Stunde durch Undichtigkeiten (Leckagen) ausgetauscht wird.
Warum ist dieser Wert wichtig?
Ein zu hoher n50-Wert deutet auf Leckagen in der Gebäudehülle hin. Diese haben negative Folgen:
- Wärmeverlust: Warme Heizungsluft entweicht unkontrolliert nach außen.
- Bauschäden: Feuchte Raumluft dringt in die Dämmung ein, kühlt ab und kondensiert. Dies fördert Schimmelbildung.
- Zugluft: Unangenehme Kaltluftströme verringern den Wohnkomfort.
- Schallschutz: Durch Ritzen dringt Außenlärm fast ungehindert ein.
Die Messung: Der Blower-Door-Test
Um den Wert zu ermitteln, wird ein sogenannter Differenzdruck-Messverfahren (Blower-Door-Test) durchgeführt. Dabei wird ein Ventilator mit einem Rahmen luftdicht in eine Außentür oder ein Fenster eingebaut.
- Unterdruckphase: Der Ventilator saugt Luft aus dem Haus. Außenluft strömt durch Ritzen und Fugen nach innen. Mit Rauchstiften oder Anemometern können diese Leckagen geortet werden.
- Überdruckphase: Der Ventilator drückt Luft in das Haus.
- Berechnung: Aus dem geförderten Volumenstrom und dem Gebäudevolumen wird die Luftwechselrate n50 errechnet.
Gesetzliche Grenzwerte (GEG / EnEV)
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), welches die EnEV abgelöst hat, schreibt bestimmte Grenzwerte vor. Werden diese überschritten, gilt das Gebäude nicht als luftdicht im Sinne der Verordnung. Hier wird die Relevanz deutlich, wenn die Luftwechselrate n50 erklärt wird:
- Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen: Der Wert darf 3,0 $h^{-1}$ nicht überschreiten. Das bedeutet, das Luftvolumen darf maximal dreimal pro Stunde ausgetauscht werden.
- Gebäude mit Lüftungsanlagen: Hier sind die Anforderungen strenger. Der Grenzwert liegt bei 1,5 $h^{-1}$. Da die Lüftungsanlage für den Luftaustausch sorgt, darf über die Hülle kaum Luft entweichen, um die Effizienz der Wärmerückgewinnung nicht zu gefährden.
- Passivhaus-Standard: Für zertifizierte Passivhäuser gelten noch strengere, privatrechtliche Anforderungen von maximal 0,6 $h^{-1}$.
Typische Schwachstellen am Bau
Wenn bei einer Messung der n50-Wert zu hoch ausfällt, liegt das meist an typischen Detailpunkten, die bei der Planung oder Ausführung vernachlässigt wurden:
- Dachdurchdringungen: Rohre für Solarthermie, Satellitenkabel oder Dunstrohre, die nicht sauber abgeklebt wurden.
- Steckdosen: Besonders an Außenwänden, wenn keine luftdichten Hohlwanddosen verwendet wurden.
- Fensteranschlüsse: Der Übergang vom Fensterrahmen zum Mauerwerk ist eine klassische Schwachstelle.
- Bodenplatte: Anschlüsse von Dampfbremsfolien an den Rohbeton.
Zusammenfassung der Energieeffizienz
Eine niedrige Luftwechselrate ist kein Zeichen für "schlechte Luft", sondern für Bauqualität. Das oft gehörte Argument "Ein Haus muss atmen" ist physikalisch falsch. Ein Haus muss dicht sein, um Energie zu sparen; die Belüftung erfolgt kontrolliert über Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage.
Indem die Luftwechselrate n50 erklärt und optimiert wird, stellen Eigentümer sicher, dass ihre Investition in Dämmung und Heiztechnik nicht durch pfeifende Ritzen zunichte gemacht wird.